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Das brennt uns auf der Seele

Die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres liegen auf dem Tisch. Die Ergebnisse sind nicht überall optimal, und nicht wenige Blumenfachhändler im gesamten Bundesgebiet denken über Veränderungen nach. Die Probleme ähneln sich, ganz gleich, ob man sein Unternehmen im Norden, Osten, Westen oder Süden führt. Das zeigen die Diskussionen und Statements in einer der Facebook-Gruppen, zu der ausschließlich Fachleute Zugang haben. Hier ein kleiner Einblick in das, was der Floristenbranche auf der Seele brennt.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dringend  gesucht

Das brennt uns auf der Seele„Ich finde, dass unsere Branche mehr ausbilden muss. In meinem Umfeld bildet – soweit ich weiß – noch ein Betrieb aus. Ich hätte im vergangenen Sommer sicherlich fünf Azubis mit besten Voraussetzungen annehmen können, habe mich dann für zwei entschieden. Und die müssen jetzt weit entfernt von Arbeits- und Wohnort in die Berufsschule, weil bei uns im vergangenen Jahr die Floristenklasse zu gemacht wurde. Dabei waren es vor zehn Jahren noch drei Klassen zuzüglich jeweils einer Parallelklasse. Das finde ich sehr traurig“.

„Ich beschäftige derzeit fünf Floristinnen und drei ungelernte Kräfte, die ich innerhalb eines Jahres angelernt habe. Eine davon bindet exzellente Sträuße. Und meine zwei Azubis stehen auch schon mitten im Geschäft. Ungelernte weg schicken gab es früher, das kann man sich heute einfach nicht mehr leisten. Und wie ich sehe, sind da auch echt Talente bei.“

Wareneinkauf, Kalkulation, Sortimente

„Wir haben unsere Kalkulationsfaktoren für verschiedene Waren-Gruppen differenziert, je nachdem wie viel Arbeitsleistung investiert werden muss. Karten und Hänger im Kassenbereich haben den niedrigsten Kalkulationsfaktor, das sind Schnelldreher, schnell hingelegt, schnell kassiert. Ich habe aus meinem Produktsortiment erst einmal alles rausgeschmissen, womit man viel Arbeit hat und nichts bis sehr wenig verdient. Dazu gehörten bei mir Plüschtiere, das ganze ›für dich Zeug‹ und alles, bei dem nur 100 Prozent aufzuschlagen sind. Dazu gehören auch Pralinen, Sekt und ähnliches. Mein Plan, es werden Blumen und die anderen Dinge zusätzlich verkauft, ging nicht auf.“

„Ich bin gerade dabei, die Preise bei uns zu optimieren, um meinen Angestellten ein anständiges Gehalt zahlen zu können und ich nicht mehr so stark unter finanziellem Druck stehe. Mein größtes Problem ist, dass wir überwiegend Schnittblumen verkaufen, die aber bei meinem Lieferanten permanent teurer werden. Wenn ich beispielsweise bei uns gebundene Sträuße nachkalkuliere und noch die Arbeitszeit nach dem neuen Mindestlohn einbeziehe, mache ich mit jedem Werkstück Verlust. Am Schlimmsten ist es, wenn ich die Beratungszeit zur Ermittlung des Kundenwunsches mit einrechne. Um etwas zu ändern, habe ich mich schon von einigen Produktgruppen getrennt. Derzeit suche ich neue Einkaufsquellen für meine Schnittblumen. Leider bin ich auf den Fahrverkauf und den Onlinehandel angewiesen.“

Gschäftskonzepte

„Meiner Meinung nach muss jede Geschäftsstruktur einzigartig sein – das macht ein Blumengeschäft aus. Qualität und ein wechselndes Angebot stehen bei mir im Mittelpunkt. Das wichtigste aber bin ich selbst. Meine Kunden kommen gern zu mir und beweisen Kundentreue. Ich denke, damit bin ich auf dem richtigen Weg.“

„Ich bin seit über 12 Jahren selbstständig, habe eine tolle Familie mit zwei Kindern und lebe auf dem Land. Ich meine, dass sich jeder Blumen leisten können muss. Mir ist mein Tagesgeschäft das wichtigste – auch wenn wir viele Hochzeiten haben. Es möglich zu machen, für jeden Geldbeutel Floristik anzubieten, das ist mein Konzept. Immer viele gearbeitete Werkstücke mit Liebe gestaltet – das läuft. Mir ist jeder wichtig, das merken meine Kunden.“

„Wir sind ganz klar ein Blumengeschäft in der mittleren Preislage. Wir verkaufen fertige Werkstücke. Ich leiste mir einen eigenen Geschmack, renne nie bewusst einem Trend hinterher. Wir arbeiten viel auf Bestellung, von Jahr zu Jahr mehr. Mein Hauptgeschäft ist die Floristik. Ich beziehe mein Personal in fast alle Bereiche stark ein, und es darf frei gearbeitet werden. Immer nach dem Motto: Was nicht da ist, kann auch nicht verkauft werden. Aber Schlussendlich schweift mein Blick wachend über alles.“

„Freundlichkeit und immer ein Lächeln im Gesicht – das ist mein Konzept. Man kann den tollsten Laden haben, aber wenn das fehlt, kann man gleich schließen.“

„Ich habe ein Konzept, das sich nicht so leicht zusammen fassen lässt. Mein kleiner Laden ist relativ natürlich gehalten. Wir verpacken nicht in Folie, haben keine Plastikübertöpfe und Plastiktüten im Sortiment. Wir unterscheiden uns von der Konkurrenz durch ein Angebot für jeden Geldbeutel und der Natürlichkeit der Produkte. Wichtig ist bei uns die persönliche Atmosphäre im Geschäft. Am Finanziellen haben wir auch gearbeitet und bieten Kartenzahlung an. Der Kunde wird dadurch verführt, mehr auszugeben als vielleicht nur den letzten kleinen Schein im Geldbeutel. Mein Umsatz steigt und der Durchschnitt pro Kunde ist höher als noch im letzten Jahr. Nach zwei schwierigen Jahren und einem Umzug in die Stadtmitte geht es mir besser als je zuvor. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue auf meine Kunden und ihre Wünsche.“

Foto: Cordula Kropke