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Vorgärten - Grau oder Grün?

Vorgärten - Grau oder Grün?

In Deutschland werden täglich rund 70 Hektar Land bebaut, gepflastert, versiegelt. Das entspricht etwa 100 Fußballfeldern, die neu für Verkehrs- und Siedlungsflächen verbraucht werden. Auch in privaten Hausgärten – hauptsächlich in den Vorgärten - ist ein Trend zur "Versteinerung" zu beobachten. Über Ästhetik lässt sich streiten, pflegeleicht sind diese Steinareale jedoch nicht, und auch das Mikroklima leidet.

Interessant ist: In den sogenannten Kiesgärten wird häufig gar kein Kies verwendet, sondern einfacher Schotter oder Splitt. Diese Materialien werden in der Regel nicht für Gartengestaltungen, sondern für den Bau von Verkehrsstraßen eingesetzt. Charakteristisch für die Schottergärten ist, dass sie in allen Jahreszeiten gleich aussehen. Befürworter sprechen von einem reduzierten, modernen Stil.

Historische Vorbilder

Gartengestaltung, die auf klare Linien, auf wenige Materialien und ausgewählte Pflanzen setzt, ist nicht neu. Allerdings ist in historischen Vorbildern immer noch lebendiges Grün das prägende Gestaltungsmittel. Bei manchen grauen Steingärten hingegen, in denen nur vereinzelt Bäume oder Sträucher wachsen, drängt sich die Frage auf, ob es sich überhaupt noch um einen Garten handelt. Die Solitäre haben in dieser Umgebung zudem schlechte Überlebenschancen, denn auch sie leiden unter Hitze und mangelnder Feuchtigkeitsspeicherung.

Pflanzen gezielt auswählen

Viele Gartenbesitzer gehen davon aus, dass ein Kiesgarten besonders pflegeleicht wäre. Schöne Aussichten: Man muss nie wieder einen Rasen mähen oder Unkraut jäten. Letzteres ist jedoch ein Trugschluss. Unter der Kiesschicht wird zwar meist ein Unkrautvlies verlegt, wuchskräftige Pflanzen wie Löwenzahn, Brennnessel oder Giersch lassen sich damit jedoch langfristig kaum ausmerzen. Von Flugsaat einmal ganz abgesehen. Besser ist es, man wählt gezielt standortgerechte Pflanzen aus, die nur wenig Pflege benötigen. Mit einer Kombination aus Stauden, Bodendeckern und immergrünen Gehölzen lässt sich ein Vorgarten gestalten, der die Gartenarbeit minimiert und dennoch das ganze Jahr attraktiv ist. Vor allem trägt ein so abwechslungsreich bepflanzter (Vor-)Garten zur Regulierung des lokalen Klimas bei.

Wobei Steine im Garten durchaus ihre Berechtigung haben. Sie sind das perfekte Material für Wege und Mauern und auch als Gestaltungselement Teil der europäischen Gartenkultur. Für die Beratung kann man auf eine Faustregel zurück greifen: Zwei Drittel der Fläche sollte begrünt sein. Das ist die beste Basis, um sich im eigenen Garten wohl zu fühlen.

Vernetzte Kommunikation

Im Januar 2017 wurde vom BGL die Facebook-Seite „Rettet den Vorgarten" gestartet, die innerhalb weniger Tage schon viele „Freunde" gesammelt hat. Landschaftsgärtner und Landschaftsarchitekten, aber auch Produktionsgärtner aus Staudenbetrieben und Baumschulen sowie Gartenbesitzer tauschen sich auf der Facebook-Seite aus. Reinschauen lohnt sich: facebook.com/Rettet.den.Vorgarten.

Foto: Grünes Presseportal / Die grüne Stadt