Historie

Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts: Gemüse und Zierpflanzen produzierten die Menschen im Hamburger Stadtgebiet, desgleichen betrieben sie den Anbau von Getreide und Hopfen sowie Viehzucht.*

2. Hälfte des 17. und 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts: Einführung des Anbaus von Gemüse, Zierpflanzen und Obst im Klein- und Nebenerwerb bei Vorherrschaft der Getreide- und Viehwirtschaft, Beginn der Baumobstproduktion. *

Hopfenmarkt um 1906, Quelle: BGM-Broschüre "Ohne Blumen fehlt dir was", 198418. Jahrhundert: Vermarktung von Obst, Gemüse und Blumen aus den Vier- und Marschlanden in der Hansestadt Hamburg (Steintor, Speersort, Meßberg, Hopfenmarkt, Deichtormarkt). Die Wurzeln des Blumengroßmarktes Hamburg liegen am Hopfenmarkt. Ende des 18. Jahrhunderts gibt es dort unter freiem Himmel 98 Gärtnerstellen für den Verkauf von Pflanzen, Blumen, Blumensamen und Obst.

2. Hälfte des 18. Jahrhunderts: Zunahme des Sonderkulturanbaus, er wird in Kleinbetrieben Haupterwerbszweig. Weite Verbreitung der Baumobstproduktion im Nebenerwerb. *

1. Hälfte des 19. Jahrhunderts: Die Sonderkulturen werden zu einem bedeutenden Erwerbszweig für alle Betriebsgrößen (bei zunehmendem Anteil des Haupterwerbs). Übernahme der Gemüse- und Zierpflanzenproduktion, Beibehaltung des Obstanbaus, besonders in stadtfernen Bereichen vorherrschen des Getreideanbaus. *

19. Jahrhundert: Blumenmärkte unter freiem Himmel als Groß- und Wochenmärkte (Großneumarkt, Hopfenmarkt, u.a.).

2. Hälfte des 19. Jahrhunderts: Sonderkulturen werden zu einem bedeutendem Erwerbszweig für alle Betriebsgrößen, Baumobsterzeugung zugunsten des Beerenobstes rückläufig. *

1912 beschließen Senat und Bürgerschaft den Bau einer überdachten Blumenmarkthalle. Als Blumengroßmarkthalle wird am Klosterwall ein zweigeschossiges Gebäude (heutige Markthalle) errichtet.

8. Dezember 1914: Eröffnung des Blumengroßmarktes Hamburg.

1950: Erweiterungsbau (Runddach).

Etwa 1900 bis 1960er Jahre: Sonderkulturanbau wird dominierende Wirtschaftsform, in den Marschlanden verdrängt der Gemüsebau die Zierpflanzen- und Obsterzeugung. Vierlande: Sonderkulturanbau wird dominierende Wirtschaftsform, dabei hoher Anteil der Zierpflanzenproduktion, Obstanbau bleibt nebenerwerblich. *

1962/63 wechselt der Standort erneut. Im Juni 1962 zieht der Großmarkt für Obst und Gemüse in die neue Halle auf dem Gelände am Oberhafen. Senat und Bürgerschaft beschließen, den Blumengroßmarkt aus der Halle am Klosterwall zu verlegen. Neuer Standort ist ab 22.04.1963 die Nord- und Südhalle am Deichtor. Der Blumengroßmarkt findet fortan in den beiden Deichtorhallen sowie in den kellerähnlichen Gewölben unter den Bundesbahngleisen (besser bekannt als "Katakomben") statt. Den Umsatz gibt das Amt für Marktwesen der FHH 1963 mit 48,8 Mio DM an. **

Am 30. April 1964 wird die Marktgemeinschaft Blumengroßmarkt Hamburg eG gegründet. Mit 110 Mitgliedern nimmt sie am 1. Januar 1965 ihre Tätigkeit auf. ***

1970: Die Marktgemeinschaft Blumengroßmarkt Hamburg eG übernimmt den Betrieb des Blumengroßmarktes Hamburg von der FHH am 1. Januar 1970. ***

Mitte der 60er Jahre bis 1980er Jahre: Drastischer Rückgang der Anbauflächen für Gemüse im Freiland, weniger und erst in den 70er Jahren einsetzend, auch im Unterglasanbau; im Zierpflanzenbereich Stagnation bis leicht rückläufige Entwicklung; der Obstanbau verschwindet fast gänzlich aus der Erzeugungspalette; "konkurrenzbedingte Strukturkrise". *

Montag, 1. Oktober 1984 beziehen die Marktbeschicker/innen nach einer langen Planungs- und Bauphase die Blumenhalle auf dem Gelände des Obst- und Gemüsemarktes an der Banksstraße 28.
Richtfest 1998, Blumengroßmarkt Hamburg, Sprecher Friedrich Jahncke, Bild Boris Rostami
1997: Beschluss der Marktgemeinschaft zugunsten von Ausbauinvestitionen. Neue Verkaufsflächen, Hallen E und A, Norddach, Serviceeinrichtungen. Richtfest für die Neubauten ist am 16. September 1998. ***

1999: Beendigung der Ausbaumaßnahmen. Gesamtinvestition 14 Mio. DM.

17.11.2011: Eintragung der Blumengroßmarkt Hamburg GmbH. Die Gesellschaft organisiert die "Norgarflor", die Nachfolge der "Norddeutsche Gärtner- und Floristenfachmesse" (Gärtnerbörse) des Gartenbauverbandes Nord. ***

Die Gärtnerbörsen  – ein Nachruf
 
Seit 1950 veranstaltete der Verband des Gemüse-, Obst- und Gartenbaues Hamburg e.V. in der Blumengroßmarkthalle am Klosterwall ("Markthalle", Veranstaltungen) die „Norddeutsche Gärtnerbörse“. Von 1956 bis 1977 existierte der Norddeutsche Gärtnerbörse e.V., der die Gärtnerbörsen unter Leitung von Georg Nowara durchführte. Es gab eine Frühjahrs- und eine Herbstbörse.
 
1977 übernahmen die Nachfolgeorganisationen, der Gartenbauverband Nord e.V. und seine „Wirtschaftsförderungsgesellschaft Gartenbauverband Nord mbH“ (Wifög) die Durchführung der Börsen. Der Titel hieß nun "Norddeutsche Gärtner- und Floristenfachmesse“, im Sprachgebrauch aber weiterhin die Gärtnerbörse. Helmut Werner organisierte Veranstaltungen mit bis zu 300 Ausstellern. 4*)
 
Die Fachmessen fanden bis 1984 in den Deichtorhallen und den Bahnbögen am Deichtor und ab 1985 im neuen Blumengroßmarkt an der Banksstraße statt. Im neuen Jahrtausend nahm die Zahl der Aussteller und Besucher stetig ab, so dass der Gartenbauverband die Veranstaltung im Jahr 2012 an die Marktgemeinschaft Blumengroßmarkt Hamburg eG übergab. Sie beauftragte die Blumengroßmarkt Hamburg GmbH mit der Organisation der „Norgarflor“, mit der die Veranstaltungsreihe unter neuem Namen fortgesetzt wurde. Die Serie der Herbstbörsen endete bereits im Jahr 2013. In den Jahren 2018 und 2019 mussten die Veranstaltungen aus unterschiedlichen Gründen abgesagt werden. ***)

Somit geht mit der »Norgarflor« eine 70 Jahre lange Ära zu Ende.

01.9.2018: Die Marktgemeinschaft tritt einen Teil der Blumenhalle an die Sell Nord GmbH ab, die dort einen Cash- und Carry- Markt errichtet. Die Umbaumaßnahmen werden im Jahr 2019 fortgeführt. Die Halle D wird zur Topfpflanzenhalle umgebaut und am 29.04.2019 in Betrieb genommen. ***


Ausblick: Der Betrieb des Blumengroßmarktes ist vertraglich langfristig gesichert.


* Größtenteils zitiert aus folgender Quelle: Pez, Peter: Sonderkulturen im Umland von Hamburg. Eine standortanalytische Untersuchung (Kiel, 1989). Selbstverlag des Geografischen Instituts der Universität Kiel. ISBN 3-923887-13-2.


** undatierter Prospekt "Großmarkt Hamburg Großmarkt für Obst und Gemüse und Blumengroßmarkt". Herausgeber: Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Wirtschaft und Verkehr, Amt für Marktwesen. Statistikangaben sind datiert mit 2.1.1963.

*** Dokumente der Marktgemeinschaft Blumengroßmarkt Hamburg eG, Protokolle, Marktblatt. Bearbeitung: Klaus Bengtsson

4*) Bericht Helmut Werner 2017 (zu jener Zeit Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Nord e.V. )