Leben und leben lassen!




Die Friedhofsgärtner und mit ihnen alle, die sich mit Sterben, Tod und Bestattung befassen, sorgen sich um die Bestattungskultur in Deutschland. Das hat natürlich nicht ausschließlich ethische, sondern auch ökonomische Gründe. Vor allem die anonymen Bestattungen sind allen ein Dorn im Auge. Das betrifft geschätzte 15 Prozent der Sterbefälle pro Jahr in Deutschland. Wobei die Zahl in einigen Großstädten sogar bis zu 50 Prozent beträgt. Erschreckend!



Leben und leben lassen!Aber man versucht, diese Abkehr von den Traditionen aufzuhalten, hauptsächlich durch Aufklärung und Information. „Darum ist der Tag des Friedhofs ins Leben gerufen worden", erklärt Helmut Barthels, Friedhofsgärtner in Hamburg. Seit 2001 wird immer am dritten Sonntag im September auf vielen Friedhöfen im gesamten Bundesgebiet breit über die Bestattungskultur informiert. „Aber ich meine, wir müssen jetzt einen Schritt weiter gehen", meint Helmut Barthels. „Wir müssen Menschen in ihrem gewohnten Umfeld auf das Thema ansprechen, nicht ausschließlich auf den Friedhöfen. Darum haben wir am 21. September den Tag des Friedhofs auf der Landesgartenschau in Schleswig veranstaltet. Das Interesse der Verbraucher war überwältigend."

Etwas getan in Sachen Bestattung hat auch Lars Rehder, der eine Friedhofsgärtnerei in Hamburg-Altona führt. Eines seiner Tätigkeitsfelder ist der Altonaer Friedhof, der in unmittelbarer Nähe des HSV-Stadions liegt. Das brachte ihn gemeinsam mit einem Steinmetz schon vor rund drei Jahren auf die Idee, dort ein Grabfeld für HSV-Fans zu etablieren. Ein „gesagt, getan" gab es in diesem Falle natürlich nicht. In einem ersten Schritt wurde zunächst einmal der Verein dafür interessiert, dann begann der Marsch durch die Behörden. Kürzlich wurde dieses europaweit einmalige Projekt nun auf dem Altonaer Friedhof in Hamburg unter großem Presseinteresse eröffnet - wozu sicherlich der Fußballverein zum großen Teil beigetragen hatte. In der einem Stadion nachempfundenen Anlage hat auch schon die erste Beisetzung stattgefunden.

Andreas Mäsing, Vorsitzender des „Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur", begrüßt derartige Aktivitäten und meint: „Der Friedhof ist kein Museum, sondern in seiner Entwicklung immer in Bewegung, denn er ist ein Bestandteil unserer Gesellschaftskultur. Natürlich appellieren solche besonderen Friedhofsbereiche an die Toleranz der Menschen. Aber auch da ist es wie im richtigen Leben: Leben und leben lassen. Unser Verein begrüßt eine lebendige Friedhofskultur."

Die genannten Aktivitäten sind nur zwei Beispiele von vielen. Sie zeigen, dass die grüne Branche viel dazu beitragen kann und im eigenen Interesse auch muss, um der tödlichen Anonymität etwas entgegenzusetzen. Wenn's nicht so profan klänge, möchte man sagen: Weiter so!