Trauerkult(ur) im Wandel
Für knapp die Hälfte der Deutschen (46 Prozent) ist der November der unbeliebteste Monat. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, die TNS Emnid unter 1.000 Bundesbürgern ab 14 Jahren durchgeführt hat. Dabei gilt: Je älter die Menschen, desto weniger mag man den November. Ein Grund dafür ist sicherlich das unangenehm schlechte Wetter in diesen Wochen, ein weiterer die vielen Trauer- und Gedenktage. Für die vielen Friedhofsgeschäfte sind gerade diese aber ein wichtiger, unverzichtbarer Umsatzträger, denn (fast) alle leiden unter der sich stark verändernden Bestattungskultur in Deutschland.
Dass diese arg im Wandel ist zeigt eine aktuelle Umfrage von Infratest. Schon jeder zweite Deutsche kann sich demnach eine nicht-traditionelle, moderne Bestattungsart vorstellen. Noch 1998 war es nur knapp jeder fünfte. Aber was gibt es überhaut für Bestattungsarten? Eine Recherche im Internet brachte folgendes Ergebnis: Almwiesenbestattung, Baumbestattung, Diamantbestattung, Erdbestattung, Feuerbestattung, Gruftbestattung, Felsbestattung, Flugbestattung, Körperspende, Luftbestattung, Naturverstreuung, Plastination, Seebestattung, Verwahrung der Totenasche zu Hause und Weltraumbestattung. Wobei nicht alle hier aufgeführten in Deutschland umsetzbar sind.
Weltweit finden sich übrigens noch mehr Bestattungsarten, zum Beispiel die in Tibet praktizierte Himmelsbestattung. Es werden aber auch völlig neue Bestattungsformen entwickelt, wie etwa die Promession, eine umweltschonende Alternative zur Einäscherung, eine Entwicklung der schwedischen Biologin Susanne Wiigh-Mäsak. Dabei wird der Leichnam gefriertrocknet und anschließend kompostiert. Diese Bestattungsform wurde 2002 in 36 Ländern patentiert. Aktuell wird das Verfahren unter der Führung der Promessa Organnic AB in Nösund (Schweden) weiter entwickelt und soll zur Serienreife gebracht werden.
Tradition adé?
Nur noch 51 Prozent der Bundesbürger wünschen sich für die eigene Beisetzung ein traditionelles Erd- oder Urnengrab. Das ergab eine repräsentative Studie von TNS Infratest im Auftrag von Aeternitas. Damit zeigt sich ein klarer Trend weg von den klassischen Bestattungsformen. 1998 betrug der Anteil noch 87 Prozent (Aeternitas /Emnid 1998), 2004 noch 62 Prozent (Aeternitas / Emnid 2004).
Trotz der deutlichen Tendenz zur Abkehr von den klassischen Bestattungsformen sehen aber nur 8,9 Prozent der Bundesbürger in einer anonymen Bestattung eine Alternative. Stellt man die Frage, was für die eigene Bestattung wichtig ist und erwähnt dabei die günstigen Kosten eines anonymen Grabes, können sich schon 21,4 Prozent diese Variante vorstellen. Was heißt: Der Preis ist ein deutliches Argument für eine anonyme Bestattung.
Die TNS Infratest Studie hat aber auch ergeben: Besonders in der Gruppe derer, die an eine moderne Bestattungsform denken, herrscht ein großes Maß an Unentschlossenheit. "Die entscheidungsfreudigen Bürger können von Anbietern neuer, aber auch traditioneller Bestattungsformen durch eine wirksame Kommunikation gewonnen werden", sagt dazu Hermann Weber, Vorsitzender der Verbraucherinitiative Bestattungskultur, und ergänzt: "Sie sind wenig gefestigt in ihrer Erwartung und empfänglich für gute Argumente." Diese Aussage spricht dafür, dass die traditionelle Bestattungskultur in Deutschland bei entsprechender Kommunikation doch wieder einen größeren Stellenwert haben könnte.