Die Dicken zuerst
Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt und Vatertag - der »Markt in den Mai« musste sich gegen eine große Feiertagspräsenz durchsetzen. Und allen Unkenrufen zum Trotz war am 1. Mai auf dem Blumengroßmarkt Hamburg viel los. Vor allem Blumenfachhändler aus dem weiteren Umfeld nutzten den BGM-Markt-Event, um einzukaufen und Anregungen für die kommenden Saisontage mit in den grünen Alltag zu nehmen. BGM-Marketing-Chef Klaus Bengtsson meint zufrieden: »Das Konzept ist aufgegangen. Mit unseren Markt-Events möchten wir vorrangig Blumenfachhändler ansprechen, die nicht regelmäßig auf dem BGM einkaufen.«
Die gesamte Palette der Beet- und Balkonpflanzen, Schnittblumen, Grün, Topfpflanzen, Bedarfsartikel, Gefäße und Accessoires: Viele BGM-Marktbeschicker präsentierten am1.Mai von 14 bis 18 Uhr ein umfangreiches Warensortiment. »Ich habe etliche neue
Geschäftsbeziehungen angeknüpft«, freut sich Großhändler Amir Masoumi. »Allein aus diesem Grund hat sich die Zusatzarbeit für mich gelohnt." Für Norbert Meyns, der Floristen-Bedarf und Dekorations-Artikel anbietet, gilt: »Dabeisein ist Pflicht! Schließlich sind wir ein Markt und eigentlich doch nur gemeinsam stark." So sieht das auch BGM-Vorstandsmitglied Arno Albers: »Wir nutzen die Markt-Events, um Neukunden anzusprechen, aber auch zur Stammkundenpflege.«
Und was zog BGM-Stammkunden am 1. Mai zum Blumengroßmarkt Hamburg? Jan Martens aus Büchen beispielsweise kaufte CC-Container voller Beet- und Balkonpflanzen: »Meine eigene Ware ist einfach noch nicht verkaufsfertig, ich muss Blühendes zukaufen«, argumentiert er. »Am ersten Maiwochenende ist bei mir ›Tag der offenen Gärtnerei‹, und da will ich meinen Kunden das volle Programm bieten.«
Heiner und Rita Mardt, die ihr 4-Sterne-Fachgeschäft im Alstertal führen, sind bei Markt-Events und Floristikshows eigentlich immer dabei: »Wir nutzen diese Termine vor allem zur Information und um uns mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.« Das Floristen-Ehepaar hatte sich auch zum Kurz-Seminar mit Benno Bergener zum Thema »Kalkulation« angemeldet. »Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Kenntnisse zu überprüfen. Und zum Dazulernen ist man schließlich nie zu alt«, meint Heiner Mardt.
Auch Harald Kehr vom bekannten Blumenhof am Reinbeker Redder fand am 1. Mai den Weg zum Blumengroßmarkt Hamburg. Verständlich, stand doch Tochter Steffi gemeinsam mit dem Jentsch-Team auf der BGM-Showbühne. »Es ist schon toll, welche Möglichkeiten die junge Generation heute hat, Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig frische Ideen in die Branche zu geben«, meint der erfahrene Praktiker. Und blieb dann auch gleich vor der Bühne sitzen, um den Worten von Unternehmensberater Benno Bergener zu lauschen.
Showtime
Zwei Floristik- und eine Informationsshow standen am 1. Mai auf dem BGM-Event-Programm. Als Moderator war der bekannte Fernsehgärtner und Berufsschullehrer John Langley dabei und sorgte mit Humor für so manchen auflockernden Lacher. Der Pädagoge überzeugte aber natürlich auch wie gewohnt mit exzellentem Fachwissen.
Mit »Blütenpracht & Farbenrausch« startete Floristmeister Henning Koop den Showteil. Unter diesem Motto zeigte der Praktiker, der ein Blumenfachgeschäft in Bleckede führt, wie man den »Outdoor-Sommer 2008« verkaufsfördernd in Szene setzt. »Nutzen Sie den Platz vor dem Geschäft für die Warenpräsentation«, forderte er seine Kolleginnen und Kollegen auf. »Der Verbraucher muss ohne Hemmschwelle ins Geschäft geführt werden.« Damit der Kunde stets genau weiß, in welchem Geschäft er sich befindet, nutzt Henning Koop »Logo-Tafeln« - und zwar nicht nur im Außenbereich, sondern auch in den Verkaufsräumen. Dazu hat er seinen Namenszug ähnlich wie ein Graffito mit Hilfe einer Schablone auf dunkle Stellwände gesprüht.
Trendy »schwarz und weiß«, romantisch »ganz in pink« und »kunterbunt« lauteten die Farbthemen, zu denen Henning Koop und seine Bühnenpartnerin Nadja Maschke viele praxisrelevante Pflanzenpräsentationen gestalteten. Ein Ziel dieser Floristikshow war aufzuzeigen, dass sich das Geschäft mit den Outdoorpflanzen nicht darin erschöpft, das gesamte Spektrum kistenweise anzubieten. Vielmehr kann auch das kleine Stadtgeschäft mit fertig bepflanzten Gefäßen an diesem Saisongeschäft partizipieren.
Ein wichtiger Verkaufsschwerpunkt für die grüne Branche ist der Muttertag. Und so stand die zweite Floristikshow unter dem Motto »Blumen für alle Mütter«. Birte und Kai Jentsch aus Bargteheide hatten ihr Floristen-Team mitgebracht und die BGM Bühne in ein wahres Blütenmeer verwandelt.
»Eine spezielle Muttertagsfloristik gibt es zwar nicht, aber die Rose hat an diesem Ehrentag einen besonderen Stellenwert«, erklärte Floristmeister Kai Jentsch. Und so zeigte das Team die Königin der Blumen in vielen unterschiedlichen Werkstücken - vom kleinen Glas, bestückt mit einer einzigen, makellosen dunkelroten Blüte bis hin zum üppigen Rosenarrangement.
Geworben mit dem guten Firmennamen wird nicht nur bei Henning Koop, sondern auch bei Firma Jentsch - allerdings in einer etwas dezenteren, aber nicht minder wirksamen Weise: »Wir haben Band in unterschiedlichen Farben mit unserem Logo und dem Firmennamen bedrucken lassen. Diese Bänder arbeiten wir in unsere Werkstücke mit ein.« Was zunächst von einigen Kunden mit »Werbung muss ja auch sein« ein wenig belächelt wurde, hat sich nach knapp einemhalben Jahr zum »Renner« entwickelt. »Inzwischen haben wir mehrere tausend Meter Band verarbeitet«, freut sich Kai Jentsch.
Nicht um farbenprächtige Blüten, sondern um nackte Zahlen ging es am Schluss des Show-Blocks beim Vortrag von Unternehmensberater Benno Bergener. Wobei der »Meister der Zahlen« mit seinen Worten nicht weniger kreativ spielte wie die Floristinnen und Floristen vor ihm mit Blüten und Blättern. Benno Bergener ist ein glühender Verfechter der »Fertigsträuße«, die er liebevoll als »Ideensträuße« tituliert. Und er erheiterte seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit dem Verkaufstipp: »Die Dicken zuerst!« Womit er ganz einfach darauf hinwies, doch üppige, hochpreisigere Sträuße in den Mittelpunkt der Warenpräsentation zu stellen. Benno Bergener weiß aus langjähriger Erfahrung: »Die werden dann auch tatsächlich zuerst gekauft.«
Blumengrossmarkt Hamburg