Tante Emmas Rückkehr




Tante Emma-Läden werden den klassischen Supermärkten bald Millionen Kunden abjagen, prognostiziert eine Studie der weltweit agierenden Managementberatung AT. Kearney. Bis zu acht Millionen Kunden oder 18 Milliarden Euro Umsatz könnten Supermärkte und SB-Warenhäuser in den nächsten Jahren an die so genannten Nachbarschaftsläden verlieren.

 
»Viele Supermarktbetreiber haben die Zeichen der Zeit nicht ausreichend erkannt«, sagt der Autor der Studie Mirko Waschun, der bei seiner Berechnung von insgesamt 63 Millionen Kunden ausgeht. Er meint: »Künftig werden die Kunden vor allem lange Öffnungszeiten und Service-Angebote wie Convenience-Produkte bevorzugen, Der Preis spielt eine untergeordnete Rolle.« In Großbritannien ist diese Entwicklung bereits vorangeschritten. »Deutschland ist dagegen fünf Jahre zurück«, beurteilt Mirko Waschun.

Seine Einschätzungen werden von einer McKinsey-Studie gestützt, der zufolge sich die Kunden einen schnellen, unkomplizierten Einkauf anstelle einer riesigen Auswahl wünschen. Die Geiz-ist-Geil-Welle ist dann wohl endgültig ein Relikt der Vergangenheit. »Geschäfte, die den Kundenwunsch nach Service befriedigen, werden die Nase deutlich vorn haben«, glaubt McKinsey-Partner Peter Breuer. Und das spricht für ein Comeback der »Tante-Emma-Länden«. Sein Team befragte 9.000 Verbraucher in Deutschland und vier weiteren europäischen Ländern nach Einkaufsgewohnheiten bei Lebensmitteln. Innerhalb von fünf bis zehn Jahren, spätestens aber 2020, werde sich die Einzelhandelslandschaft grundlegend verändert haben, meint Breuer.

Mirko Waschun nennt als Gründe für diese Entwicklung die Demografie, die Verstädterung sowie die Individualisierung der Gesellschaft. Die Familien werden immer kleiner, die Zahl der Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte wächst. Damit schwindet der Bedarf für den Wochengroßeinkauf im Supermarkt auf der grünen Wiese. Waschun vergleicht die Tragweite der anstehenden Veränderungen mit der Ausbreitung der Discounter: »Vor 30 Jahren hat niemand damit gerechnet, dass sie im Lebensmittelhandel einmal einen Marktanteil von fast 40 Prozent erreichen würden.«

Für den Blumenfachhandel sind diese Prognosen sehr positiv. Bedeutet es doch ein Wiedererstarken der inhabergeführten Geschäfte sowie auch der Wochenmarktstände ... wenn man sich dort denn konsequent auf die serviceorientierte Kundschaft einstellt.
Blumengrossmarkt Hamburg