Neue Rosen - alte Tradition




Es kommen rosige Zeiten auf uns zu, wenn die Freilandrosen ihre ersten Knospen öffnen und Farbe zeigen. "Dann ist es soweit, dass ein nostalgischer Hauch von Sinnlichkeit die Herzen umhüllt", schwärmt Gärtnermeister und Rosenexperte Jan Diedag Janßen vom Vierländer Rosenhof. Nach seiner Einschätzung ist der nostalgische Trend ungebrochen. Dabei handelt es sich bei Schnittfreilandrosen um eine noch verhältnismäßig neue Rosengruppe, die zuerst in den siebziger Jahren auftauchte.

 
Damals wurde eine Rose geboren aus Kreuzungen zwischen bewährten alten Rosensorten, neuen Teehybriden und Floribunda-Rosen. Alle positiven Eigenschaften wurden miteinander züchterisch vereint. In dieser gelungenen Kombination aus Charme und Duft alter englischer Rosen sowie dem breiten Farbenspektrum und der langen Blühdauer neuer Rosen erblühten die "Englischen Rosen". Ihre Blüten ähneln in vielem der Form einer alten Rose. Jan D. Janßen ist begeistert, wenn er diese Blüten beschreibt: "Die Wunderwerke der Natur können schalen- oder rosettenförmig sein und haben oft Hunderte von Blütenblättchen. Es gibt kaum eine andere Blüte, die einen so warmen und gleichzeitig strahlenden Effekt hat wie diese Rosen."

Die Formenvielfalt ist schier unbegrenzt. Das macht sie für Handel und Floristik zu einem besonderen Unikat. Übrigens: Englische Rosen werden nicht nur wegen der Schönheit ihrer Blüten gezüchtet, sondern auch wegen ihres natürlichen, strauchförmigen Wuchses, der sie zu idealen Container-Verkaufsrosen macht.


Aber auch im Schnitt stehen englische Freilandrosen auf der Rankingliste ganz oben. Ein Grund für die große Beliebtheit ist ihr unwiderstehlicher, raumfüllender Duft. Wegen ihrer unterschiedlichen Abstammung ist das Laub sehr verschieden - bei einigen ist es dunkel wie bei alten Rosen, bei anderen stark glänzend wie bei Teehybriden. Gelegentlich ist es graugrün wie bei Alba-Rosen. "Ein Merkmal", so Jan D. Janßen, "ist jedoch unverkennbar. Englische Rosen sind die am intensivsten duftenden Rosen überhaupt."

Aber nicht nur die Intensität des Duftes ist bemerkenswert, sondern auch die Vielzahl verschiedener Düfte der einzelnen Sorten. Die Palette reicht vom Damaszena-Duft alter Rosen über den Teerosenduft, Myrrhe und Moschus bis zu fruchtigen Düften mit vielen Abwandlungen und Kombinationen. "Unsere Großmarktkunden fragen gezielt nach stark duftenden Rosen aus der erfolgreichen Züchtungsarbeit von David Austin", erläutert Gärtner Janßen. "Diesem Züchter gelang es, in seinen Sorten den Duft alter Rosen mit der Blühfreudigkeit und Regenfestigkeit neuer Sorten zu verbinden." Besonders stark duften die Lizenz-Sorten:

'The Pilgrim' (leuchtendes Gelb zum Rand verblassend, duftet nach Myrrhe)
'Charles Austin' (Apricot, duftet fruchtig)
'Yellow Charles Austin' (weiches, schattiertes Zitronengelb, duftet fruchtig)
'The Squire' (dunkles Karmesinrot, duftet zitronig)
'Mayor of Casterbridge' (Hellrosa, duftet fruchtig)
'Glamis Castle' (Reinweiß, duftet nach Myrrhe)

Bei den englischen Rosen herrschen Weiß, Rosa, helles Rot sowie helles und warmes Gelb vor. Das Besondere ist die Farbveränderung. Vom Aufgehen der Knospen bis zum Verblühen wechseln die Blüten ihre Farben. Schöne Beispiele dafür sind die Sorten 'Heritage' (mittelgroße, hellrosafarbene, gefüllte, duftende Blüten), 'Wife of Bath' (große, kräftig warm rosafarbene Blüten) und 'Charles Austin' (großblütig, tiefaprikosenfarben).

"Neben den englischen und modernen Rosen gibt es auch die klassischen historischen Schnittrosen. Ihre Blütenfarben sind im Vergleich zu den modernen Rosen ungewöhnlich. Sie sind nicht zu grell und es gibt sehr viele Mischfarben wie Purpur oder Lila, Weißrot gestreift oder gefleckt. Allen gemein ist der Duft", schwärmt der Vierländer Rosen-Experte. Und er fügt hinzu: "Es wird ein rosiger Sommer ... garantiert."
Angelika Langley (flower@t-online.de)