Jubiläum


20 Jahre Marktblatt

Vor 20 Jahren erschien die erste Ausgabe der Kundenzeitschrift des Blumengroßmarktes Hamburg. Ein ebenso schlichter wie aussagefähiger Name für den Neuling war schnell gefunden: Markt Blatt. Inzwischen sind rund 2.500 Seiten erschienen. Würde man diese jeweils 21 Zentimeter langen Seiten an eine Leine klammern, wären dies immerhin 525 Meter Informationen am laufenden Band. Mann der ersten Stunde, also Geburtshelfer des Markt Blattes, war der Journalist Martin Hein. Er ist dem Hamburger Blumengroßmarkt auch heute noch eng verbunden und erinnert sich - im Rückblick gern – an die Anfänge der heute bundesweit anerkannten Kundenzeitschrift.

 
Von Martin Hein

Wissen Sie noch, was vor 20 Jahren los war? Ach, Sie waren damals noch ein Babyfurzer – ach, Ihr Gedächtnis lässt in letzter Zeit nach? O.K. ich geb´ Ihnen mal ein paar Anhaltspunkte aus der Chronik ´85.
Also, ein gewisser "Bobbele" fliegt erstmals siegreich über das, was er später sein Wohnzimmer nennt. Ein Herr Kohl lädt einen Herrn Reagan ein. Ein Herr Honecker reist zum Papst und tanzt Sirtaki in Griechenland. Bayern (damals schon) wird Fußballmeister, Ach ja, noch was: In Hamburg erblickt das Markt Blatt das Licht der Welt.
Das war irgendwie schon ein Zusammentreffen der besonderen Art. Auf der einen Seite Redakteure und Grafiker einer amerikanischen Agentur mit Sitz am Rothenbaum. Eher junge Leute, nachlässig gekleidet, lange Haare, ausgestattet mit Vokabeln wie Direkt-Marketing, Image-Transfer und zielgruppengerechte Kommunikation. Auf der anderen Seite die Herren (als Dame gab´s nur Agneta Becker) Marktbeschicker aus den Vier- und Marschlanden, deren Platt auch nicht einfacher zu verstehen war, als das Denglisch der Agentur-Fuzzis. Da trafen zwei Welten aufeinander – schwungvoll zusammen gehalten durch John Langley, der damals noch Harald hieß.
Dann ging es los, Recherche auf dem BGM. Morgens um 5 Uhr – ich hab´ geflucht. Schließlich bin ich Redakteur geworden, weil man da erst um 11 Uhr mit seinem Tagewerk beginnt. Und dann die Schnacks! Wie oft ich hundemüde durch den Kakao gezogen wurde – ich will mich nicht mehr dran erinnern. Aber was für eine Atmosphäre, welch ein filmreifes Ambiente! Und überall Menschen, die man mit Fug und Recht als Originale bezeichnen durfte. Ein Geschäftsführer Gottfried Ziegenbein, der hanseatisch-distinguiert in jedem Edgar Wallace Film eine Rolle (nein, nicht als Gärtner) hätte spielen können. Ein Horst Huckfeldt, fröhlich polternd, dabei ehrbarer Kaufmann – und keinem Flirt mit der Grafikerin abgeneigt. Klaus Timmann, der leise Vater der Idee Markt Blatt. Oder der hochgeschätzte Friedrich Jahnke, der in seiner ausgeglichen, ruhigen Art die Agentur-Fuzzis an die Hand nahm. Wirklich – auf den Redaktionssitzungen saß schon eine sehr gemischte Truppe bei Cola, Kaffee und belegten Brötchen zusammen.
Aber: Es hat geklappt. Das Markt Blatt wurde von den Lesern als wichtige Informationsquelle angenommen. Und nach Jahr und Tag wollten dann auch andere mitmachen. Der FDF klopfte an, Anzeigenkunden standen vor der Tür.
Zu berichten gab's immer viel. Floristik-Shows, Foyer-Ausstellungen, Baumaßnahmen, Abholdepot – all das und noch viel mehr wurde journalistisch aufbereitet.
Das Beste an der ganzen Sache aber war: Die Leserinnen und Leser blieben treu, die Arbeit der federführend von Angelika Langley geleiteten Redaktion wurde honoriert. Und Klaus Bengtsson entwickelte sich zu einem formidablen Chefredakteur.
Und die anderen Blumengroßmärkte? Dort blickte man ein wenig neidisch nach Hamburg. „So was wollen wir auch haben“ hieß es dann – und nach zwei verloren Jahren mit fachfremden Agenturen gibt es das Markt Blatt nun vier Mal im Jahr auch überregional mit eigenen Lokalteilen in Mannheim, Frankfurt, Dortmund, München und Berlin. Das darf man dann wohl ganz unbescheiden als Erfolg bezeichnen.

Blumengrossmarkt Hamburg / Martin Hein