Sommer 2001


Weiblich & erotisch

In den vergangenen Jahren hat es sich bereits abgezeichnet: Einen alles bestimmenden Trend gibt es weder in der Mode, noch in der Wohnungseinrichtung und auch nicht bei Blumen und Pflanzen. Aber es gibt "Strömungen", die von weltweit agierenden Trendscouts aufgespürt werden. Für die grüne Branche positiv ist die grenzübergreifende Begeisterung für Natur und Garten.

 
Nach Aussagen der Trendexperten wird der Blumensommer 2001 aufregend weiblich und erotisch. Was bedeutet, dass das aufmerksamkeitsstarke Rot in all seinen Schattierungen im Mittelpunkt steht. Aber sicherlich nicht ausschließlich, denn es gibt natürlich viele Menschen, die es cool weiß, träumerisch blau, sonnig gelb oder einfach sommerlich bunt mögen.

Sinnlich, intensiv, kraftvoll und erotisch - so sehen die Trendexperten vom Blumenbüro Holland (BBH) und Fachverband Deutscher Floristen (FDF) den floristischen Sommer 2001. Rotnuancen, vom zarten Hautton bis hin zu tief dunklem, fast schwarzem Rot, bestimmen dann auch den propagierten Trend. Er wird werbewirksam mit "Sensuality", was man frei mit "Lebensfreude" übersetzen könnte, in den Publikumsmedien verbreitet.

Wirkung

Rot ist keine Bezeichnung für eine ganz bestimmte Farbe, sondern eine sehr allgemeine Bezeichnung, die vielerlei Abtönungen, Nuancen und Unterscheidungen zulässt. Die Bandbreite der rund 100 Bezeichnungen reicht von "A" wie Altrot bis "Z" wie Zinnober. Mit zunehmender Eintrübung wird Rot tiefer und prahlerischer, mit zunehmender Aufhellung temperamentvoller, fröhlicher und phantasievoller. Je stärker der Gelb- beziehungsweise der Orangeanteil im Rot ist, desto aufreizender wirkt es. Ein Blauanteil bis hin zum geheimnisvollen Violett verändert die Aussage völlig. Je mehr das Rot ins Bräunliche übergeht, desto stärker werden die "Erregung" zur "Beruhigung", das "aufregende Lodern" zur "gemütlichen Wärme".

Bedeutung

Rot ist nicht nur die Farbe der Liebe, Rot wird allen Gefühlen zugeordnet, die zu Kopfe steigen - auch dem Hass. Im Russischen hat Rot den gleichen Wortstamm wie das Wort "schön". Der "rote Platz" hieß vor der kommunistischen Revolution der "schöne Platz". Weniger schön, aber dennoch üblich war es in früherer Zeit, dass die Richter die Todesurteile mit roter Tinte unterschrieben. Auch heute noch tragen die hohen Richter des Bundesverfassungsgerichts rote Roben ebenso wie die Kardinäle. Rot ist aber auch die Farbe der Dynamik und Aktivität: Ferraris in Rot reizen die Männerwelt und "rote Tücher" reizen Stiere. Auch Erotik wird mit der Farbe Rot verbunden. Plüschige Sitzgelegenheiten in einschlägigen Etablissements müssen einfach sündig rot sein. Weiniger erotisch hingegen sind die "roten Socken" - eine abwertende Bezeichnung, damit der Konservative gerne mal ihre Kollegen aus dem sozialistischen Lager versehen.

Werkstoffe

Ausdrucksstarke Blütenpersönlichkeiten mit einer gewissen erotischen Ausstrahlung in aufmerksamkeitsstarken Farben stehen im Sommer 2001 ganz besonders im Mittelpunkt. Dazu gehören Achillea, Anthurien, Callas, Celosien, Crocosmia, Dahlia, Heliconien, Lilium, Monarda, Nelken, Paeonien und Rosen.

Als sommerliche Trendpflanzen werden besonders herausgestellt:

Aeschynanthus (Schamblume, Sinnblume): blühende Hängepflanze
Anthurium (Flamingoblume, Teufelszunge): Pflanze mit auffallenden Hochblättern
Cordyline fruticosa (Keulenlilie): attraktive Blattpflanze
Hibiscus (Roseneibisch): Blütenpflanze
Nepenthes (Kannenstrauch): rankende, krautige, zum Teil verholzende Gewächse; gehört zur Gruppe der Insekten fangenden Pflanzen
Philodendron erubescens (Baumfreund): Blattpflanze mit oberseits glänzend dunkelgrünen, unterseits kupferfarbenen Blättern
Sarracenia (Schlauchpflanze): gehört zur Gruppe der Fleisch fressenden Pflanzen

Die Gestaltung

Üppige Blumenpracht, die sowohl romantisch, organisch als auch starr in ihrer Form sein kann, bestimmt den Sommertrend 2001. Puderiges, Weiches, Starres und Glattes variieren in einem spannenden Wechselspiel. Halbtransparente Strukturen und Durchblicke machen neugierig. Phallusartige Formen zum Beispiel Anthurium-Kolben und Philodendronfrucht suchen ihren Weg in und durch andere Blumen. Die Linien im Strauß sind sinnlich, verführerisch, aber vor allem kräftig. Die Hautstruktur des Materials ist wichtig. Parfümdüfte ergänzen die (sinnliche) Wirkung der Farben.

MARKT BLATT 146/2001
Mai 2001
Angelika Langley (flower@t-online.de)