Kunststoff?


Nein danke!

Mit grünem Kunststoff-Vlies und einer dünnen Kunststoff-Schnur umwickelte Strohrömer sollten eigentlich ein Relikt der Vergangenheit sein. Sie waren Auslöser einer großen Umweltkampagne der grünen Branche in den 80er Jahren. Nun tauchen diese Strohrömer plötzlich bei zahlreichen Großhändlern in Norddeutschland wieder auf. Die Recherche des Gartenbauverbandes Nord e.V. hat ergeben, dass die Grundmaterialien aus der Tschechischen Republik und Slowenien kommen und in Polen zu Strohrömern verarbeitet werden.

 
Soll das ganze Theater der achtziger Jahre jetzt wieder losgehen? Wollen Friedhofsgärtner und Floristen das Risiko eingehen, mit ihrer Trauerfloristik am Friedhofstor abgewiesen zu werden? So weit sollte es doch wohl nicht kommen. Friedhofsgärtner und Floristen sollten bei ihren Lieferanten darauf dringen, nur mit Materialien/Unterlagen beliefert zu werden, die keinen Kunststoff enthalten. Es kommt doch auch kein Autohersteller auf die Idee, heute wieder ein Auto ohne Kat zu verkaufen, oder? Sollten die polnischen Lieferanten und die dort beziehenden Händler nicht sehr schnell umweltfreundliche Materialien liefern, dann sind sie eben raus aus dem Geschäft. So einfach sollte das gehen!


Zur Information hier noch einmal ein kurzer Rückblick auf die Aktivitäten Mitte der 80er:

Auf dem kirchlichen Friedhof in Hamburg Niendorf fing 1986 alles an. Der dortige Friedhofsverwalter hatte Ärger mit der Entsorgung von Kränzen, Gestecken und Sargauflagen, weil die Grundmaterialien mit der Zeit immer mehr aus nichtverrottbaren Kunststoffen bestanden. Ganz schlimm waren Kranzunterlagen aus Stroh, die mit einer unverwüstlichen Kunststoffschnur gewickelt wurden. Dieses Material war der größte Feind der Kompostschreddermaschinen, in denen es sich unweigerlich verwickelte und zu Schäden führte.

Nach typisch deutscher Gründlichkeit sollten dann sofort alle Kunststoffe auf diesem und später dann auch auf anderen Friedhöfen verboten werden. Die Landesfachgruppe Friedhofsgärtner im Gartenbauverband Nord e.V., allen voran Friedhofsgärtner Leo Skrzyzinski-Fox, erkannte rechtzeitig das auf die Friedhofsgärtner zukommende Problem und reagierte mit freiwilligem Verzicht auf Kunststoffe und entsprechender Abstimmung mit den Friedhöfen. In wenigen Jahren waren erst im Norden und dann später auch in Süddeutschland die Friedhöfe überwiegend frei von Kunststoffen. Notgedrungen mitgezogen hat die Industrie, die ihre Materialien zügig der sich ändernden Nachfrage anpassen musste. Heute kann man sagen, dass es seit Mitte der neunziger Jahre so gut wie keine Kunststoffe mehr auf den Friedhöfen gibt, wenn man von den aus alter DDR-Zeit bestehenden Kunstoffblumen-Restbeständen einmal absieht.

Foto: CMA

Helmut Werner, Gartenbauverband Nord