Winter 2003


Sternenzeit

Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) hat ermittelt: Euphorbia pulcherrima war in Deutschland im vergangenen Jahr die umsatzstärkste Blütenpflanze, führt also vor Cyclamen, Azaleen und Topf-Orchideen die Top 10 an.

 
Und das, obwohl es sich bei der Poinsettie eindeutig um eine Saisonpflanze handelt. Von November bis Weihnachten hat dieses Gewächs in unseren Breitengraden seine Hochzeit. Dank intensiver (europaweiter) Werbung, initiiert von der Centralen Marketing Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA), war das Thema Weihnachtssterne in den vergangenen zwei Jahren in vielen Lifestyle-Medien präsent. Auch in diesem Jahr wird die Werbepower weiter verstärkt, so dass der Blumenfachhandel sich auf eine noch größere Verbrauchernachfrage einstellen darf.

Stars auf der Siegerstraße

Beheimatet ist Euphorbia pulcherrima im fernen Südamerika, aber Liebhaber der exotischen Pflanze findet man auf der ganzen Welt. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein "Global Player", der seinen Siegeszug der Diplomatie verdankt.

Der erste Botschafter der USA in Mexiko, Joel Poinsett, schickte vor rund 200 Jahren einige Pflanzen zur Sichtung an den botanischen Garten in Philadelphia. Ihm zu Ehren wurde die schöne Mexikanerin zunächst "Poinsettie" getauft. Etwa 100 Jahre später kamen die ersten Pflanzen nach Europa. Den botanischen Namen Euphorbia pulcherrima, was soviel wie "die Allerschönste der Euphorbien" heißt, verlieh ihr der Direktor des botanischen Gartens in Berlin.

In seiner mexikanischen Heimat heißt der Weihnachtsstern "Flores de Noche Buena", Blume der Heiligen Nacht. Dort findet man ihn allerdings nur selten im Topf, sondern eher als meterhohen Strauch in den Gärten. Doch nicht nur in Mexiko kann man ihn in freier Natur erleben. Auch auf den Kanaren oder Madeira schmücken die leuchtend roten Hochblätter zur Weihnachtszeit Gärten und Strandpromenaden.

Von Blutrot bis Cremeweiß

Nach einer aztekischen Sage benetzten einst die Blutstropfen einer Göttin, die an gebrochenem Herzen starb, die obersten Blätter der Poinsettien und gaben ihnen die unverwechselbare rote Farbe. Heute reicht die Farbpalette der zahllosen neuen Sorten (dank der intensiven Arbeit der Züchter) vom klassischen Rot über Bordeaux, Pink, Apricot, Rosé, Zitronengelb und Cremeweiß bis zu Zweifarbigen im "Marble"-Look oder weiß Gesprenkelten. Und es gibt sie sogar in Blau ... hier war allerdings nicht Mutter Natur am Werk, sondern Gärtnerhände mit der Farbdose. Man mag zu solchen Farbexzessen stehen wie man will - es gibt eine ganze Reihe von Verbrauchern, denen gefällt ein blauer Weihnachtsstern. Vielleicht passt er in dieser Farbgebung wunderbar in die blau-weiße Landhausküche, das skandinavisch eingerichtete Esszimmer oder den edel-coolen Wohnraum.

Ein Klassiker nicht nur zur Weihnachtszeit

Eigentlich sollte er "Winterstern" heißen. Schließlich blühen die ersten Vertreter seiner Familie bereits im Oktober, die letzten erfreuen bis ins Frühjahr hinein mit ihren farbigen Brakteen. Doch unverrückbar steht fest: Überall in den westlichen Ländern ist die Poinsettie eng mit dem Weihnachtsfest verknüpft. Selbst in Frankreich, wo er als "Étoile d'amour", als Liebesstern, ein beliebtes Geschenk zum Muttertag ist und das ganze Jahr über verkauft wird, zaubert er als "Rose de Noel", als Weihnachtsrose, Adventsstimmung in die winterlichen Wohnzimmer.

Blumengrossmarkt Hamburg