Hydrokultur


Markt mit Möglichkeiten

Zimmerpflanzen (neudeutsch gern als "Indoorgrün" bezeichnet) haben im Zeichen von Cocooning, Clanning und Wellness in den Augen der Verbraucher einen hohen Stellenwert. Sprich: Grüne und blühende Gewächse werden gern gekauft. Dabei sind es nach wie vor die Erdpflanzen, die den Markt deutlich dominieren. Vor allem Privatkunden greifen eher dazu als zu Pflanzen in Hydro- oder Semikultur. Das mag daran liegen, dass der Verkauf von Hydrokultur-Pflanzen sehr viel beratungsintensiver ist. Hinzu kommt, dass auch das Personal im Blumenfachhandel über Hydrokultur nicht ausreichend informiert ist. Durch bessere Branchen interne Weiterbildung könnte das Geschäft mit den Hydrokultur-Pflanzen wesentlich intensiviert werden.

 

Marktzahlen

Der Fachverband Hydrokultur gibt das Marktvolumen für Hydrokultur in Deutschland mit rund 250 Millionen Euro (Endverbraucherniveau) an. Davon entfallen 75 Millionen Euro auf die Raumbegrünung (institutioneller Markt), 50 Millionen Euro erwirtschaften Floristen, Gärtnereien und inhabergeführte Gartencenter und 125 Millionen Euro Gartencenterketten, Baumarktketten und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass das Hydrokultur-Geschäft im Bereich Raumbegrünung ansteigt und Gartencenterketten, Baumarktketten und der LEH ebenfalls Umsatzzuwächse verzeichnen können. Eine Stagnation zeigt sich bei Floristen, Gärtnereien sowie inhabergeführten Gartencentern. Was sicherlich auch daran liegt, dass speziell Floristen Pflanzen generell und ganz besonders Pflanzen in Hydrokultur nur "mit halbem Herzen" präsentieren und verkaufen.

Nach Angaben des Verbandes Hydrokultur werden rund 30 Prozent der Pflanzen für den Eigenbedarf, 40 Prozent als Geschenk und 30 Prozent an Firmenkunden verkauft. Tischgefäße machen daher rund 70 Prozent aus, Bodengefäße etwa 25 Prozent. Der Rest entfällt auf Großbepflanzungen.

Was ist Hydrokultur?

Der Wortbestandteil "Hydro" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Wasser". Der Begriff "Kultur" ist der lateinischen Sprache entnommen und kann mit "Pflege" oder "Züchtung" übersetzt werden. Hydrokultur meint also eine Pflanzenhaltung auf der Basis von Wasser und darin gelösten Nährelementen. Sie darf aber nicht mit der Kultur von Sumpf- oder Wasserpflanzen verwechselt werden. Bei der Hydrokultur von Zimmerpflanzen wird lediglich die Erde durch ein Tongranulat - auch Blähton genannt - ersetzt. Die Gewächse stehen auch nicht bis zum Spross im Nass, sondern nur ein Teil der Wurzeln reicht bis unter die Wasseroberfläche.

Natur pur

Die Hydrokultur ist alles andere als eine unnatürliche Art, Pflanzen zu ziehen. Sie entspricht im Grunde der Lebensweise der Pflanzen in der Vorzeit: Als diese vor Jahrmillionen entstanden, dienten ihnen lediglich Lavagestein und nährstoffreiches Wasser als Existenzgrundlage. Erst durch Verwitterung des Gesteins und Zersetzung abgestorbener Pflanzenteile bildete sich langsam Erde, die schließlich auch von den Gewächsen durchwurzelt wurde. Wenn wir heute Pflanzen auf Hydrokultur umstellen, führen wir sie also wieder in ein Milieu zurück, in dem sich ihre Vorfahren einst entwickelten.

Dass Pflanzen auch ohne Erde gedeihen können, war lange Zeit unvorstellbar. Man glaubte an einen Lehrsatz des Philosophen Aristoteles (384 bis 322 vor Christus). Seine These: Pflanzen leben von organischen Substanzen, sie essen die Erde gewissermaßen auf. Im Laufe der Zeit hatten zwar einige Gelehrte versucht, seine Annahmen zu widerlegen, doch - wie auch in anderen Wissenschaftsbereichen üblich - konnten sich diese Thesen zunächst nicht durchsetzen. Erst der Wissenschaftler Justus von Liebig (1803 bis 1873) sorgte für Klarheit. In der Mitte des 19. Jahrhunderts konnte er nachweisen, dass Pflanzen die Erde nicht verbrauchen, sondern nur die darin enthaltenen Nährelemente benötigen. Nach vielen Versuchen gelang es schließlich den Botanikern Julius Sachs und Wilhelm Knop 1860, Pflanzen in Nährflüssigkeit zu kultivieren. Doch erst in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts reifte die Technik der Hydrokultur aus.

Geeignetes "Stützkorsett"

In den "Kinderjahren" der Hydrokultur wurde viel experimentiert, um ein geeignetes Substrat zu finden. Blähton erwies sich letztendlich als das ideale Material. Es ist ein anorganisches, 100 Prozent natürliches Produkt, das durch Erhitzen von Ton in so genannten Drehöfen auf über 1200 Grad Celsius gewonnen wird. Im Gegensatz zum Erdsubstrat bleibt es strukturstabil, und kein schädlicher Pilzbefall siedelt sich an, auch Nematoden sind nicht zu befürchten. Grund genug, die Hydrokultur unter anderem als Raumbegrünung in Krankenhäusern zu bevorzugen.

Die Blähtonkörper saugen sich nicht mit Wasser voll, sondern speichern die Feuchtigkeit nur in ihrer Außenhaut. Durch die Kapillarwirkung des Blähtons werden Nährstoffe und Wasser in den Wurzelbereich der Pflanzen transportiert. Übrigens: Das Wurzelwerk von Hydropflanzen unterscheidet sich wesentlich von dem der Erdpflanzen. Es ist feiner und weniger robust, weil Wasser und Nährstoffe ständig genügend vorhanden sind. Bei der Umstellung von Erdpflanzen auf Hydrokultur kommt es deswegen zu Schwierigkeiten. Die kräftigen Erdwurzeln nehmen zu viele Nährstoffe auf.

Pflanzen für die Hydrokultur werden in Spezialgärtnereien kultiviert. Im Bereich Grünpflanzen gibt es mittlerweile kaum unerfüllbare Wünsche, und auch bei den Blütenpflanzen ist das Sortiment inzwischen recht umfangreich.

Gefäßvielfalt

Die Zeit, in der für die Hydrokultur lediglich die langweiligen weißen, beigefarbenen oder braunen Einheitsgefäße zur Verfügung standen, sind längst vorbei. Vom formschönen Ampelgefäß aus Porzellan für die Einzelpflanze bis zum Großgefäß, gestaltet von namhaften Designern, ist alles möglich. Und sogar bauseitig vorhandene Pflanzwannen können leicht mit Styropor- und Folieneinlage auf die Hydro-Normtiefe gebracht werden.

Vorteile der Hydrokultur:

- Einfache Pflege
- keine Gefährdung der Gesundheit durch krank machende Pilzsporen im Substrat
- sichere Langzeitversorgung mit Wasser und Nährstoffen
- Langlebigkeit der Pflanzen
- lange Haltbarkeit der Pflanzenzusammenstellungen
- niedrige Folgekosten
- Sauberkeit des Systems.

Blumengrossmarkt Hamburg / AL