November


Monat der Trauer

Der November gilt allgemein als "Totenmonat". Statistiken belegen, dass bundesweit in diesen Wochen die meisten Sterbefälle zu beklagen sind. Und auch die Totengedenktage konzentrieren sich auf den November. Trotz sich wandelnder Friedhofskultur sind die kommenden Wochen von geschäftlicher Bedeutung.

 
Tatsache ist: Die Zeiten, wo an Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag wahre Heerscharen zum Friedhof pilgerten, wo Tannenbunde schubkarrenweise vor's Geschäft gefahren, wo quasi nächtelang Moosteile gearbeitet wurden, sind vorbei. Das wird beklagt. Andererseits wird auch festgestellt, dass das Winter-Friedhofs-Geschäft ohne besondere Spitzenzeiten kontinuierlich nicht nur im November, sondern etwa bis Weihnachten, Neujahr läuft. Was ein Vorteil ist, da sich gleichmäßige Abläufe besser planen lassen.

Auch ohne Moos ist was los

Der Verkauf der typischen Moosteile ist seit rund zehn Jahren deutlich rückläufig. Das bedeutet aber nicht, dass die Gräber in der kalten Jahreszeit ohne Schmuck bleiben. Gern gekauft werden beispielsweise Sträuße aus Koniferen, die durch ihre unterschiedlichsten Grünfärbungen sehr attraktiv wirken, und die ebenso lange halten wie ehemals die Moosteile. Ein starker Umsatzträger sind auch Bepflanzungen mit all den bunten Gewächsen aus dem Herbstzauberprogramm, kombiniert mit Eriken, Callunen und Chrysanthemen. Wer diese Arrangements in umweltfreundlichen Gefäßen anbietet, kann mit Fug und Recht mit dem Slogan "Natur pur" werben.

Trauerfarben

Eng verbunden mit Trauer und Tod sind in vielen Ländern der Welt die "Farben" Schwarz, Grau und Weiß. Man sagt: Alles endet in Schwarz: verfaultes Fleisch wird schwarz und vermoderte Pflanzen. Wer sich "schwarz ärgert", ärgert sich zu Tode. Darauf bezieht sich auch die Redensart "Warte, bis du schwarz wirst". Wer den Tod bringt, trägt Schwarz: der Sensenmann und der Henker.

In der christlichen Farbsymbolik haben sie alle ihre Bedeutung. Schwarz steht für die Trauer um den irdischen Tod, Grau symbolisiert das Jüngste Gericht, Weiß ist die Farbe der Auferstehung. Aus diesem Grund ist die Kleidung der Trauernden schwarz, die der Toten jedoch weiß, denn sie sollen auferstehen.

Trauerfarbe Schwarz oder Weiß?

Ob Schwarz oder Weiß als Farbe der Trauer und des Todes gilt, hängt auch mit der Hautfarbe der Menschen zusammen. In Regionen, in denen Menschen mit heller Hautfarbe zu Hause sind, ist Weiß die ideale Farbe, sozusagen die Freudenfarbe. Für Menschen mit anderer Hautfarbe ist Weiß naturgemäß nicht der Inbegriff der Vollkommenheit, für sie ist Weiß auch Trauerfarbe. Dabei ist das Weiß nicht als Farbe gemeint, sondern als Mangel aller Farben. Die weiße Trauerfarbe ist ungefärbte Kleidung. Wie schwarze Trauerkleidung bezeugt sie den Verzicht auf eigene Eitelkeit. Königinnen früherer Jahrhunderte trugen, um sich von den gewöhnlichen Trauernden zu unterscheiden, weiße Trauerkleidung. Königin Victoria trauerte in Violett, der alten Herrscherfarbe. Weiß gilt vor allem bei jenen Völkern als Trauerfarbe, bei denen Schwarz Symbolfarbe der Fruchtbarkeit ist. Der Gegensatz zur schwarzen Fruchtbarkeit ist der weiße Tod.

Ob Schwarz oder Weiß als Farbe der Trauer angesehen wird, ist natürlich auch von religiösen Vorstellungen bestimmt. Die ganz auf das Jenseits ausgerichteten Urchristen trugen bei Beerdigungen weiße Kleidung: Der Tod war für sie das Fest der Auferstehung. Im alten Ägypten war Gelb die Trauerfarbe, denn Gelb symbolisierte das ewige Licht. Auch wenn, wie im Buddhismus, die irdische Existenz nur als eines von mehreren Intervallen auf dem Weg zur Vollkommenheit begriffen wird, ist Schwarz als Farbe der Finsternis nicht die passende Trauerfarbe. Heute gilt: Je mehr das religiöse Denken verschwindet, je mehr der irdische Tod betrauert wird, desto mehr wird Schwarz weltweit zur Trauerfarbe.


AL