Im Gespräch


Euro = Teuro?

Seit rund einem halben Jahr zahlen wir nicht mehr mit Mark und Pfennig, sondern mit Euro und Cent. Die Umstellung - quasi von einem Tag zum anderen - lief allen Unkenrufen zum Trotz problemlos. Schon nach wenigen Tagen war die alte Währung aus dem Verkehr gezogen, und man zahlte mit den neuen Münzen und Scheinen. Alles paletti also? Leider nicht! Der Euro hat sich - zumindest in den Köpfen der Menschen - zu einem "Teuro" entwickelt. Die offizielle Bundes-Statistik spricht zwar nur von einer 1,3-prozentigen Preissteigerung, doch liegt die "gefühlte" Teuerung um ein Vielfaches höher. Handel und Gastronomie haben zum Teil bei der Umrechnung sehr großzügig nach oben "aufgerundet". Sogar unser Bundesfinanzminister musste inzwischen zugegen, dass der eine oder andere Unternehmer seine Preise kräftig nach oben korrigiert hat. Der Euro ist im Gespräch ... auch auf dem Blumengroßmarkt Hamburg. John Langley hat sich dort einmal umgehört.

 
Jürgen Martens (BGM-Kunde aus Alt-Osdorf) äußert sich begeistert: "Ich hätte nicht gedacht, dass die Währungsumstellung so problemlos verlaufen würde." Recht hat der Gärtner, die Umstellung lief in der Tat sozusagen von einem Tag auf den anderen ohne Hektik und Katastrophen.

Marktbeschickerin Birgit Serverin (BGM-Stand 346) ärgert sich über die hohen Euro-Preise. Doch sie ist überzeugt, das diese sich über kurz oder lang wieder "richtig" einpendeln werden. Darauf warten vermutlich mit ihr zur Zeit auch 300 Millionen Europäer.

Dorle Nielsen (BGM-Kundin aus Hamburg) sieht auf ihren Einkaufswagen, der fast überquellend mit gärtnerischer Natur gefüllt ist. "Bei den kräftigen, langen Mageriten habe ich mich wohl spontan mal verkauft," sagt sie mit Blick auf die schönen Blüten. Ohne "Euro-Taschenrechner" kann das schon mal passieren. Einige Einkäuferinnen und Einkäufer haben dieses praktische BGM-Präsent nach wie vor stets dabei. Denn die Mark ist nach wie vor die "Denkwährung" der meisten Bundesbürger.

Für Gulfam Malik (BGM-Kunde aus Hamburg) ist klar: "Wenn mein Einkaufspreis zu hoch ist, dann muss mein Kunde unweigerlich tiefer in die Tasche greifen. Erhöhungen muss ich weitergeben."

Nur selten ist der Euro Schuld an höheren Einkaufspreisen. Natürlich spielen das weltweite Klima und internationale Nachfragen bei der Preisgestaltung von Schnittblumen und Pflanzen eine wesentliche Rolle. Wenn wo auch immer mit Blumen "gefeiert" wird, steigt unmittelbar die Nachfrage und damit der Preis sprunghaft an.

Der Wettbewerb auf dem grünen Markt ist hart, die Gewinnmargen sind gering. Wer "Mondpreise" nimmt, riskiert möglicherweise Umsatzeinbußen. Dieter Janßen (BGM-Stand 239) ist der Meinung: "Die Blumen sind teilweise billiger geworden. Etliche Händler haben einfach die DM-Preise halbiert. Dadurch wird die Ware für den Einkäufer rund zwei Prozent günstiger."

Stefan Heling (BGM-Kunde aus Nenndorf) meint, dass der Verbraucher an höheren Preisen nicht unschuldig sei: "Wer bei uns sonst für einen Blumenstrauß 20 Mark ausgegeben hat, legt jetzt ohne zu zögern 20 Euro auf den Tisch."

Diese Erfahrung hat auch Manfred Jahnke (BGM-Kunde aus Norderstedt) gemacht: "Viele Jahre lang hat sich bei unseren Kunden eingeprägt, dass ein kleiner Strauß 15 Mark, ein Familienstrauß 30 Mark und ein Geburtstagsbouquet 50 Mark kostet. Und diese Zahlen haben sie auch weiterhin im Kopf."

"So einfach funktioniert das bei uns leider nicht", stellt Christian Ramcke (BGM-Kunde aus Sülldorf) fest. "Wir haben viele kritische Kunden, die genau umrechnen. Der inzwischen preissensible Verbraucher wird Händlern, die überzogene Marktpreise nehmen, schon bald zu realistischen Preiszugeständnissen zwingen."

Frauke Struß (BGM-Stand 214) stellt fest, dass die Kunden vorsichtiger einkaufen. Sie ist der Meinung: "Der harte Wettbewerb um das Grün lässt nur kleinste Preisanstiege zu."

Heinz Katt (BGM-Kunde aus Stade) hat auf dem Blumengroßmarkt Hamburg festgetellt: "Die meisten Preisänderungen bewegen sich im Bereich von plus/minus fünf Prozent. Das sind vermutlich eher Preisrundungen."

"Wer hat sich noch nicht dabei erwischt, spontan auf den Groß- oder Einzelhandel zu schimpfen, er habe die Euro-Umstellung einfach zu versteckten Preiserhöhungen genutzt", stellt Christa Huckfeldt (BGM-Stand 609) fest. "Negative Einzelerfahrungen werden oft vorschnell verallgemeinert."

Ist der Euro ein Teuro? Darüber entscheidet letztendlich der mündige Verbraucher. Und wer wirklich Grund zur Missbilligung hat, kann sich mit ganz konkreten Angaben via Fax an die amtliche Beschwerdestelle für Euro-Probleme in Brüssel (Telefax-Nummer 0032/2/296508) wenden.