Im Gespräch


Ton oder Plastik?

Ein Top(f)thema beschäftigt derzeit die Branche: Was ist besser, Ton oder Plastik? Immer mehr Pflanzen werden in Kunststoffkulturtöpfen angeboten. Wo bleibt der seit Jahrzehnten bewährte und von vielen geschätzte Tontopf? Im Prozess des Wertewandels, im Zeitgeist des Retro stellt sich die Frage: Künstlich oder natürlich? Natürlich künstlich sagen die einen, und die anderen sehen es genau anders herum.

 
Gaby Kamps (BGM Stand 304 / 401) ist überzeugt, dass "der Tontopf ein sichtbares Qualitätsmerkmal für den Fachhandel" ist. Ehemann Peter Kamps ist der Blumentopf als solcher eigentlich egal. Ihm ist die verkaufbare Gesamtheit, das Endprodukt Pflanze, wichtig. So sieht das auch Hans Krayenhagen (BGM Stand 120): "Die Pflanzenqualität ist entscheidend, der Topf spielt eine untergeordnete Rolle."

Jan Martens (BGM-Einkäufer) ist überzeugt: "Plastik, das kauft der Verbraucher im Baumarkt." Hans-Peter Meyer (BGM-Einkäufer) hat Kunden für das eine wie das andere.

"Oft entscheidet der Kunde danach, ob die Pflanze im Freien ausgepflanzt werden soll oder im Gefäß verbleibt", meint BGM-Einkäuferin Petra Knuth. "Wer sich für Ton entscheidet, will es pflegeleicht haben" fügt sie hinzu.

Marktbeschicker Reiner Meyns (Stand 353) hat einen ganz anderen Standpunkt: "Der klassische Tontopf ist heute aus Gewichts- und arbeitstechnischen Gründen für einen produzierenden Gärtner nicht mehr wirtschaftlich. Wer auf Masse geht, wird immer Kunststoff bevorzugen."

Johann Augustin (Blumenvertriebsgesellschat Bendingbostel - BGM-Stand 200) verkauft zwar weniger in Ton als in Kunststoff Getopftes. Er ist aber überzeugt, dass er viel mehr Pflanzen in Ton verkaufen könnte.

"Hamburg ist eine Hochburg für den Tontopf. Unsere Kunden wollen Natur um die Füße ihrer Pflanzen", bestätigt Eckhardt Mittelstedt (BGM-Stand 508) die nordische Vorliebe. Darüber freut sich Elke Hahn (BGM-Einkäuferin) sehr. Sie liebt die Authentizität des Werkstoffes Ton. "Bodenständig, so muss das Produkt beim Verbraucher ankommen", ist ihre Meinung.

Wenn Blumenfachhändler Hortensien, Cyclamen, Begonien, Azaleen oder duftende Pelargonien in Ton verkaufen, dann hat der Kunde im wahrsten Sinne des Wortes "Gewicht" in der Hand. Gärtner wägen ihre Wünsche da ganz anders ab. "Das geringe Gewicht, die bessere Stapelfähigkeit und die kostengünstigere, maschinelle Verarbeitung mit den Topfmaschinen rechnen sich", bemerkt Marktbeschicker Johann Stoltenberg (BGM-Stand 112-115). BGM-Einkäufer und Pflanzenproduzent Jochen Schmädeke hat aus kulturtechnischer Sicht auch keine Probleme mit den Leichtgewichten aus Kunststoff, sondern eher mit den Tontöpfen. Er meint: "Die Kartons mit den Leichten sind stapelbar, benötigen einen geringeren Lagerraum, und der Wasserverbrauch in der Kultur ist niedriger."

Mag sein, aber Tradition fällt auch in die Wagschale der Abwägung. "Unsere Schweriner Kunden schwören auf Tontöpfe. Die hat es schon zur DDR-Zeiten gegeben. Warum soll sich alles ändern?" fragt sich BGM-Einkäufer Wolfram Struve.

"Eigentlich müssten Pflanzen im Tontopf 25 Cent teurer sein", bemerkt Günter Strutzke (BGM-Stand 311). Für ihn ist es klar - wer Zeit und Geld sparen will, entscheidet sich für Kunststofftöpfe. "Die Pflanzen lassen sich, wenn es erforderlich ist, viel leichter austopfen und sind vergleichsweise preisgünstig."

Rudolf Oestmann (BGM-Kunde) aus Ottensen bemerkt: "Es bestimmt immer noch der Kunde, was er kaufen möchte." Wenn seine "Ökos und Alternativen" sich für Pflanzen entscheiden, zählt nicht nur die große Angebots- und Formenvielfalt, sondern auch der Umweltaspekt. Ton lässt hier die Kasse klingeln.

"Das Gießverhalten muss auf das Topfmaterial abgestimmt sein. Die Pflanze hat ihre artspezifischen Bedürfnisse." Pflanzenkenner Bernd Lose (BGM-Einkäufer) vom Botanischen Garten wählt für Wärme liebendes Grün wie Kakteen lieber Kunststoff und für bevorzugt kühl-feucht Stehendes Ton. So einfach ist das. "Wenn das Wohnklima stimmt, dann klappt es auch mit dem Tontopf", verstärkt Marktbeschickerin Monika Breunig (Firma Morlang, Stand 206, 207, 212).

Ein weiterer Aspekt pro Tontopf kommt von Michael Tomfort (BGM-Einkäufer). Er ist überzeugt, dass "die größere Standfestigkeit und der festere Wurzelballen ausschlaggebend für die Kaufentscheidung" ist. Überhaupt sei Terrakotta immer noch im Trend.

"Das mögen unsere Kunden auch. Wir verkaufen immerhin 80 Prozent der Pflanzen in Tontöpfen", äußert BGM-Einkäuferin Birgit Budemann aus Horn begeistert. Sie selbst freut sich, wenn sich nach und nach an den Töpfen im Freiland eine zart grüne Beschichtung und weißliche, natürliche Ausblühungen am Topf zeigen. Das ist Natur pur...


John Langley