Im Zeichen des Gedenkens
Am Ende des Kirchenjahres stehen die Gedenktage im November. Speziell für den Blumenfachhandel in Bundesländern mit überwiegend katholisch geprägter Bevölkerung ist diese Zeit umsatzstark. Auf den Friedhöfen in Kleinstädten und Dörfern bleibt kein Grab ungeschmückt. Mit Gedenktagsfloristik lässt sich dort noch gutes Geld verdienen.
Die Saison beginnt am 1. November mit Allerheiligen. Der Reformationstag am 31. Oktober gilt als typisch evangelisch, das Fest Allerheiligen als typisch katholisch. Doch das stimmt nur zur Hälfte, denn Allerheiligen steht am 1. November unter dem Namen »Gedenktag der Heiligen« auch im evangelischen Kirchenkalender. Das Allerheiligenfest entstand um 600 n. Chr., nachdem man nicht mehr jedem Heiligen ein eigenes Fest widmen konnte. Sie werden an diesem Tag in Liedern, Predigten und mit Blumenschmuck geehrt, und man bittet um ihre Fürsprache bei Gott.
Allerheiligen ist jahrhundertelang auch von den evangelischen Gemeinden in Deutschland gefeiert worden - so wie noch heute in den skandinavischen Kirchen.Auch Luther hat die Existenz von Heiligen nicht geleugnet. Er hat betont, dass Christen in ihnen ein Vorbild für das eigene Leben sehen sollen.

Der 2. November, Allerseelen, ist der Gedenktag für alle Verstorbenen. An diesem Tag - vielfach werden die besonders schön geschmückten Gräber schon am Nachmittag des Allerheiligentages besucht - beten gläubige Christen an den Grabstätten ihrer Familienangehörigen und stellen Kerzen auf.
Der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr - 2009 ist es der 15. November - wird in unserem Land als Volkstrauertag begangen. Er fordert dazu auf, den Opfern von Krieg und Gewalt in der Vergangenheit und Gegenwart zu gedenken. Er mahnt zu Umkehr und zu Friedensarbeit. An diesem Tag werden unzählige Gedenkkränze an Kriegsdenkmälern niedergelegt
Der Buß- und Bettag in Deutschland ist ein Feiertag der evangelischen Kirche, der auf Notzeiten zurückgeht. Er wurde im Lauf der Geschichte für besondere Anliegen angesetzt, aber oft nicht am selben Datum. Im 20. Jahrhundert wurde er wie auch heute am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag begangen. Das Wort »Buße« lässt allerdings unrichtige Assoziationen aufkommen. Es geht bei diesem Tag nicht um Büßen für begangene Vergehen im Sinne von »bestraft werden«, sondern um eine Haltungsänderung, eine Umkehr zu Gott hin. Der Buß- und Bettag ist übrigens nur noch in Sachsen ein arbeitsfreier Feiertag.
Der letzte Sonntag im Kirchenjahr hat mit Ewigkeitssonntag und Totensonntag (22. November) zwei Namen. Der Streit, welche Bezeichnung vorzuziehen sei, ist müßig. Weil der Tod das Tor zur Ewigkeit ist, gehören beide Begriffe zusammen. Dieser Sonntag ist übrigens der einzige, der mit grün oder weiß zwei liturgische Farben zur Wahl anbietet, was mit den unterschiedlichen Bezeichnungen dieses Sonntags zu tun hat.