Brauchen wir Blumengeschenktage?




Am letzten Donnerstag im September, also in diesem Jahr am 24.9., ist Dankeschöntag. In den USA schon lange eingeführt und wie der Valentinstag mit großer Inbrunst zelebriert, braucht er bei uns noch viel Werbepower, um zu einem ähnlichen Hype zu wachsen. Aber will die grüne Branche überhaupt einen weiteren Blumengeschenktag im Herbst?



Wie immer gibt es zwei Meinungsbilder dazu. Eine nicht kleine Gruppe der »Grünen« schätzt die besonderen Saisontage mit ihren Verkaufsspitzen gar nicht. Ihnen wäre ein kontinuierlicher Geschäftsverlauf lieber. Verständlich, schließlich kann man dann besser planen - vom Wareneinkauf bis zum Personaleinsatz. Keine exorbitanten Preisschwankungen, wenig unternehmerische Wagnisse. Ein verlockender Gedanke!

Brauchen wir Blumengeschenktage?Daneben - und die Gruppe ist deutlich größer - stehen die Vollblutfloristen, die Herausforderungen, wie etwa den Hype am Valentinstag, einfach brauchen, um zur Hochform aufzulaufen. »Gerade der Valentinstag bringt uns die Männer ins Blumengeschäft, die sich sonst gar nicht herein trauen würden«, meint beispielsweise Birte Jentsch aus Bargteheide, die eine glühende Verfechterin für die »leider viel zu wenigen etablieren« Blumengeschenktage ist.

Natürlich sind die Blumenpreise dann höher, schon weil die Nachfrage einfach größer ist. Aber das ist ein Zeichen eines gesunden Marktes. Dazu sagt Birte Jentsch: »Wir kalkulieren über das Jahr so, dass unsere Blumenpreise am Valentinstag und Muttertag nicht wesentlich höher liegen.« Und, was als entscheidender Fakt hinzukommt: Die Firma Jentsch hat - wie viele andere alteingesessene Unternehmen - gute Beziehungen zu ihren Lieferanten auf dem Blumengroßmarkt aufgebaut. »Blumenkauf ist zu einem großen Teil Vertrauenssache«, weiß die Fachfrau. »Und das bezieht sich nicht nur auf die Qualität der Ware sowie die Lieferverlässlichkeit, sondern eben auch auf die Preise.«

Ein Boykott des Valentinstages, wie die Berufskollegen Renate und Rainer König aus Kempten-Sankt Mang im Allgäu ihn am 14. Februar 2009 praktiziert hatten, käme für Birte Jentsch niemals in Frage. Sie meint: »Grundsätzlich bereichern die Feiertage unser Geschäft. Aus reiner unternehmerischer Sicht fände ich es auch optimal, wenn wir jede Woche einen immer gleichguten und vor allem geplanten Umsatz hätten - wie leicht wäre dann die Selbstständigkeit! Aber so ist es nun mal nicht, und das ist dann wiederum auch gut so, denn dann könnten es ja alle!