Pläne und Visionen




Ein groß aufgemachter Artikel im Hamburger Abendblatt sorgte kürzlich bei Blumenfachhändlern für Irritationen. Unter der Überschrift »Die Pläne des Hamburger Großmarktchefs« sprach Abendblatt Redakteur Bob Geisler mit Torsten Berens über dessen Pläne, mit einem Markt für Endverbraucher und einem Kochstudio den Großmarkt zu beleben.



Abendblatt

Neue Pläne für den Hamburger Großmarkt

Wer die vielen Zeilen nicht aufmerksam, sondern nur quer gelesen hat, konnte vermuten: Der gesamte Hamburger Großmarkt wolle sich den Verbrauchern öffnen und ihnen – gemeinsam mit dem Fachhandel – den Einkauf ermöglichen. Das wird nicht g schehen!

Die Großmarktverwaltung wird im kommenden Jahr auf einer abgetrennten Teilfläche – laut Meldung des Hamburger Abendblattes die nordöstliche Ecke der Wellendach-Halle – einen Markt für Endverbraucher einrichten, geplante Öffnungszeiten täglich zwischen 11 und 19 Uhr – also außerhalb der Marktzeiten des Fachhandels. Das Projekt soll im Sommer zum 50-jährigen Bestehen des Großmarkts an den Start gehen.

Großmarktchef Torsten Berens weiß, dass dieses Vorhaben eine kleine Revolution ist, denn bisher war der Hamburger Großmarkt dem Großhandel vorbehalten. Mit einer Ausnahme, dem Hamburger Foodmarket, der seit sechs Jahren immer im September veranstaltet wird. »Die grandiose Akzeptanz des Foodmarkets durch die Verbraucher hat uns quasi den Weg gewiesen, wie man den Großmarkt Hamburg wieder stärker beleben kann«, erklärt Torsten Berens. Und er fügt an: »Um eine weitere Nutzung des Geländes kommen wir nicht herum, wenn wir den Standort halten wollen.«

Der Verbrauchermarkt soll von einem Betreiber verantwortlich übernommen werden, einen festen Bewerber gibt es derzeit noch nicht. Aber es werden Gespräche geführt. »Eigentlich ist noch alles offen«, erklärt der Großmarktchef. »Aber wir gehen anfangs von 12 bis 15 Ständen aus, die neben Obst und Gemüse auch Schinken-, Wurst- und Käsespezialitäten sowie Weine anbieten können. Auch ein Stand mit Blumen und Pflanzen können wir uns vorstellen.«

Vorstellen kann sich Torsten Berens auch spezielle Saisonangebote, beispielsweise im Frühsommer Frühkartoffeln, Erdbeeren und Spargel aus der Region, im Herbst dann Kürbisse und Kohl. »Aus der Region, für die Region – das ist in meinen Augen ein schlüssiges Konzept.« Preislich soll sich der neue Markt am »normalen« Lebensmittelladen oder an Wochenmärkten orientieren.

Geplant ist zudem ein gastronomisches Angebot mit kleineren Gerichten und einem Mittagstisch. Büroangestellte aus der nahen City Süd sollen sich davon angesprochen fühlen, aber auch Pendler, die auf ihrem Weg zu den Elbbrücken noch mal kurz an der Amsinckstraße abbiegen und in die Halle mit denfrischen Produkten hineinschauen könnten.

Und wie steht der Blumengroßmarkt Hamburg zu den Plänen der Großmarktverwaltung? Dazu erklärt Andreas Fagin, Vorstandsvorsitzender der Marktgemeinschaft: »Uns ist vor allem wichtig, dass die Einkaufszeiten des Fachhandels und die der Verbraucher nicht kollidieren. Dass der Verbrauchermarkt und das Kochstudio, also die Gastronomie, von der übrigen Halle sicher abgetrennt werden. Und dass nicht zu Großhandelspreisen an Verbraucher verkauft wird. All das hat uns die Großmarktverwaltung zugesichert. Unser Blumengroßmarkt wird wie bisher weiterlaufen. Wir konzentrieren uns mit unserer Arbeit voll und ganz auf den Blumenfachhandel.«